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Ausblendung = Dissoziation = Störung?

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17.10.12, 00:21:11

Fundevogel

Es gibt nur ganz wenige Aussagen zu dem Thema, wie Urologinnen oder Gynäkologen ihren Sexualtrieb "ausschalten", wenn sie Patienten oder Patientinnen behandeln.

Weiß hier jemand, ob sie über Erregungen hinweg schauspielern? Wenn ja, sind Patienten darüber informiert, dass das geschieht?

Oder blenden sie Erregungen aus als Dissoziation. Gilt das dann als Störung?
17.10.12, 08:27:29

Lenz2011

Nein, sie nehmen eine andere Haltung ein zu dem was sie wahrnehmen. Der Körper wird als das gesehen was er ist, ohne Emotionen. So weiß ich es zumindest von Krankenpflegern, die ja nicht nur mit dem nackten Körper sondern auch mit als gemeinhin unangenehm empfundenen Dingen wie fremden Körperausscheidungen umgehen müssen. Das ist dann quasi das Gegenstück zur Erregung.

Anders wäre eine Behandlung durch Ärzte aufgrund der Ablenkung oder auch eine Pflege gar nicht möglich, es wäre eine Zumutung für den Patienten und unerträglich für beide Seiten.

Bei einer Massage oder in der Sauna ist es ja ähnlich. Sexuelle Erregung gehört da nicht hin.

17.10.12, 09:37:33

Fundevogel

Wo geht man hin oder wie macht man das, eine "andere Haltung" einzunehmen? Stecken im Menschen Räume, in denen er emotionslos sein kann? Sind das die Räume, in denen er in Kriegen morden kann/muss?

Wenn das so einfach wäre, so starke Triebe "in den Griff" zu bekommen, warum gelingt es nicht in anderen Bereichen...z.B. sich nicht persönlich angegriffen zu fühlen, wenn wie hier im Forum sachlich geantwortet wird...oder sich bei ärgerlichen Situationen des täglichen Lebens sagen zu können "Ist auch nur ein Mensch".

Dass in bestimmten Bereichen sexuelle Erregung nicht hingehört ist die eine Seite, aber wo sie "hingeschickt" wird, das ist mir wichtig zu erfahren.
17.10.12, 10:27:50

55555

Zitat von Fundevogel:
warum gelingt es nicht in anderen Bereichen...z.B. sich nicht persönlich angegriffen zu fühlen, wenn wie hier im Forum sachlich geantwortet wird...

Weil das nicht in vergleichbarer Weise tabuisiert ist?
17.10.12, 10:45:58

Lenz2011

geändert von: Lenz2011 - 17.10.12, 10:48:58

Zitat von Fundevogel:
Wenn das so einfach wäre, so starke Triebe "in den Griff" zu bekommen, warum gelingt es nicht in anderen Bereichen...z.B. sich nicht persönlich angegriffen zu fühlen, wenn wie hier im Forum sachlich geantwortet wird...oder sich bei ärgerlichen Situationen des täglichen Lebens sagen zu können "Ist auch nur ein Mensch".

Im Grunde besteht da tatsächlich kein Unterschied.

Gute Ärztinnen und Ärzte konzentrieren sich voll und ganz auf das was sie beobachten und wahrnehmen oder was sie tun. Dann verschwinden die Emotionen und Phantasien automatisch.

Das ist auch das, was im Prinzip jeder tun kann der sich nicht von seinen Emotionen beherrschen lassen möchte. Mit Dissoziation hat das nichts zu tun, man ist im Gegenteil viel mehr "bei sich".

In Kriegen passiert was anderes, das ist tatsächlich vermutlich Dissoziation.
18.10.12, 22:15:07

drvaust

Meines Wissens hängt das damit zusammen, daß das Arbeit ist, nicht persönlich. Das medizinische Personal ist da neutral, macht seine Arbeit, hilft dem Patienten, ohne persönliche Beziehung mit entsprechenden Emotionen. Das heißt nicht, daß das medizinische Personal ohne Emotionen und unfreundlich ist, aber es trennt die Arbeit von persönlichen Beziehungen.
Ich kenne das z.B. von Physiotherapie. Davor hatte ich Angst, weil ich Berührungen sehr heftig empfinde und deshalb Probleme befürchtete. Aber die Physiotherapeutin war zwar freundlich und einfühlsam, jedoch professionell distanziert, so daß ich da kaum Probleme mit Berührungen hatte.
Mein Hausarzt ist Nervenarzt und macht manchmal auch Psychotherapie. Aber nicht bei mir, weil wir befreundet sind und deshalb die Distanz fehlt.

 
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